Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe e.V.

Der Hausspatz - der gefiederte Nachbar des Kleingärtners

Die kleine Anektode zeigt: Allerweltsarten verschwinden meistens unbemerkt. Beispiele sind das Rebhuhn, der Feldhase, der Feldsperling und jetzt droht das gleiche Schicksal auch dem Hausspatz. Still, leise und lange Zeit fast unbemerkt geht die Zahl der Spatzen seit Jahren zurück. „In England beispielsweise innerhalb der letzten 25 Jahren um 60 Prozent“, berichtet Diplom-Biologin Erika Vauk von der Deutschen Wildtierstiftung.
In der Bundesrepublik - so schätzen Fachleute bewegt sich der Rückgang zwischen 25 und 45 Prozent. Da macht auch der Landkreis keine Ausnahme, wie der Ornithologe Hans-Jürgen Görze bestätigt. Auch wenn der sympathische Frechdachs an vielen Orten im Landkreis immer noch ein alltäglicher Anblick ist. Im Karlsruher Zoo beispielsweise treten die unscheinbaren Überlebenskünstler gleich dutzendweise auf.
Und auch in vielen Dorfgärten im Landkreis gehört das vorlaute Gezwitscher der schlicht „gekleideten“ Vögel immer noch zum Alltag. Fast so, wie in jenen Zeiten, als Hausspatzen in den Dörfern als Plage galten und das Spatzenschießen mit dem Luftdruckgewehr zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen gehörte(kaum vierzig Jahre ist das jetzt her). Aber eben nur fast. Und dennoch wird so mancher Landkreis-Bewohner fragen: „Was spielt es für eine Rolle, ob sich 30 oder nur noch 20 Spatzen in meinem Garten herumtreiben“?
Für die Biologin Elsa Nickel und für Hans-Jürgen Görze beschreiben solche Fragen ein großes Dilemma des Artenschutzes. „Artenschutz macht auf Dauer nur Sinn, wenn er rechtzeitig eingreift und nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, verweisen die beiden amtliche Naturschützer auf die vielen schlechten Beispiele der Vergangenheit. Auf den Spatz bezogen heißt das: So lange sein Rückgang nur Wissenschaftler bemerken, sind Schutzbemühungen nur schwer vermittelbar, fällt sein Verschwinden aber jedem auf, ist es im Grunde genommen schon zu spät.
Gründe für den Rückgang des Haussperlings gibt es viele. Der Piepmatz, der im Gegensatz zu den Kulturfolgern unserer Tage, nicht aus Not die Nachbarschaft der Zweibeiner sucht, leidet unter dem veränderten Lebensstil seiner Nachbarn.
Nicht umsonst führt er in vielen Regionen die Unfallstatistik an. Als Opfer versteht sich. „In einigen Straßenabschnitten, stellt der Hausspatz mehr als 30 Prozent aller tierischen Verkehrsopfer“, sagt Vauk.
Der moderne Häuserbau und die Altbausanierungen, bei denen alle Nischen und Löcher an den Außenwänden beseitigt werden, spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. „An solchen Stellen baut der Hauspatz seine Nester“, weiß Görze. Entscheidend ist aber wohl die Verschlechterung der Nahrungssituation. „Die Aufgabe der dörflichen Kleintierhaltung, die betonierten Hofeinfahrten und die todgepflegten Hausgärten reduzieren nicht nur das Angebot an Samen, von denen sich die Sperlinge im Herbst und Winter ernähren, sondern auch das an eiweißreicher Baby-Nahrung in Form von Insekten. Die brauchen sie nämlich für ihren Nachwuchs.
Auch wenn die meisten ihn gar nicht wahrnehmen, wenn er fehlt, geht nicht nur im Winter etwas wertvolles verloren: Da ist der Hausspatz nämlich der einzige, dessen vorlautes Gezwitscher wenigsten ein wenig Lebensfreude zwischen die grauen, stummen Häuserzeilen bringt.