Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe e.V.

Neue Vorsitzende

Damit sind zwar immer noch kaum mehr als zehn Prozent aller Vorsitzenden der Karlsruher Kleingartenvereine weiblich, aber in den meisten anderen Bezirksverbänden des Verbandes der Kleingärtner Baden-Württemberg sieht es noch schlechter aus. Und das gilt nicht nur für Baden-Württemberg.

Unter den mehr als dreißig Landesvorsitzenden und Vorstandsmitgliedern die Mitte März zu einem Seminar des Bundesverbandes der Gartenfreunde nach Lüneburg kamen, waren gerade zwei Frauen. Das gesamte deutsche Kleingartenwesen scheint also noch fest in Männerhand. Und so wird die Arbeit der ersten weiblichen Kleingartenvorsitzenden von den Herren der Schöpfung oft besonders aufmerksam beobachtet.

Aber auch viele der neuen weiblichen Vorsitzenden müssen sich in diesem seit Beginn des Kleingartenwesens überwiegend von Männern dominierten Amt zu Recht finden. Einige der Karlsruher Kleingartenvorsitzenden trafen sich daher Anfang Mai bereits zum zweiten Mal zu einem Informationsaustausch über ihre Arbeit. Allein die Tatsache dass sich Vorsitzende verschiedener Kleingartenvereine zu einem freundschaftlichen Erfahrungsaustauch treffen, zeigt, dass Frauen oft anders an die Arbeit als Vereinsvorsitzende herangehen wie Männer.

„Wir planen auch demnächst gemeinsam alle Kleingartenanlagen zu besuchen, in denen wir Frauen Vorsitzende sind“, erklärt Dagmar Haas. Die Vorsitzende des Karlsruher Kleingartenvereins „Am Reitschulschlag“, bestätigt selbstvertretend für ihre Kolleginnen, dass weibliche Vorsitzende einen anderen Führungsstil haben als die meisten Männer.

„Wir sind einfach diplomatischer, wir reden lieber fünf Mal mit den Leuten, bevor wir mit dem Vorschlaghammer kommen“, berichtet sie und ergänzt „Im Notfall wenn gar nichts anderes mehr geht, können aber auch wir Frauen deutlich werden“
Noch etwas eint viele weibliche Vorsitzende, ihr Bestreben Familie und das Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen. Die Arbeit als Vereinsvorsitzende kostet nämlich viel Zeit, Zeit die der Familie fehlt. „Während sich Männer aber diese Zeit meist ganz selbstverständlich nehmen, versuchen wir Frauen unsere Familien und besonders unsere Ehemänner mit in die Arbeit einzubeziehen“, erklärt Dagmar Haas. So planen die fünf weiblichen Vorsitzenden demnächst auch ein gemeinsames Treffen mit allen Ehemännern beziehungsweise Lebensgefährten.
Mit männlichen Schrebergärtnern haben die Frauen gemischte Erfahrungen. „Meist wird unsere Arbeit akzeptiert, aber der ein oder andere männliche Kleingärtner belächelt unsere Arbeit auch ein wenig“, fasst die Vorsitzende des Verein Reitschulschlag ihre und die Erfahrung ihrer Kolleginnen zusammen. Ein wenig typisch sei auch das Kompliment, das ihr ein Mal ein Mitglied ihres Vereins machte. „Du machst deine Arbeit richtig gut – für eine Frau“, meinte der.
Ein wenig Pionierarbeit müssen Dagmar Haas und ihre Kolleginnen wohl noch leisten, aber in wenigen Jahren werden Frauen an der Spitze eines Kleingartenvereins hoffentlich ganz selbstverständlich sein.