Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe e.V.

Asiatischen Tigermücke im KGV Freiburg Nord entdeckt

Sorgen machen muss man sich wegen des Funds in Freiburg aber noch nicht. "Wir haben die Population recht früh entdeckt, noch bevor es zu einer Massenvermehrung gekommen ist. Mit Hilfe des sehr engagierten Vorstandes des KGV Freiburg Nord konnten wir sofort mit den Bekämpfungsmaßnahmen beginnen. Allerdings ist es nicht das erste Mal, dass diese Stechmücke in Deutschland nachgewiesen werden konnte. "Bereits 2007 haben wir ein Eigelege der Tigermücke an einem kleinen Parkplatz unweit von Weil am Rhein entdeckt", so Artur Jöst. Der Biologe erforscht für die Kommunale Arbeitsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) in Speyer, ob sich Mückenarten in Südwestdeutschland ansiedeln. "In den vergangenen Jahren haben wir an Autobahnraststätten entlang des Rheins immer wieder neue Exemplare und Eigelege der Tigermücke gefunden." Im Jahr 2014 konnten sie an einem Drittel aller Parkplätze, Autohöfe und Rastätten entlang der A5 zwischen weil am Rhein und Heidelberg nachgewiesen werden.
Überhaupt muss sich erst mal zeigen, ob die Tigermücke in Deutschland den Winter überstehen kann. "Bislang wurden immer wieder größere Mengen von Tigermücken eingeschleppt, allerdings hat sich hier bisher nie eine Population aufbauen können", so Jöst. "Wenn es besonders heiß ist und sie zudem kleine Gewässer, wie zum Beispiel Gullys, für die Vermehrung findet, könnte sie auch in der Stadt überleben. Allerdings müsste sie dafür erst mal die kalte Jahreszeit überstehen."
Es ist sehr wahrscheinlich, dass einzelne Tiere über LKWs der unmittelbar benachbarten „Rollenden Autobahn (ROLA)“ nach Freiburg eingeschleppt wurden. Dabei handelt es sich um ein Transportsystem, bei dem komplette Lastwagen mitsamt Fahrer auf der Schiene transportiert werden, was sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile bietet. Die Verbindung zwischen dem italienischen Novara und Freiburg im Breisgau wird nach Angaben des Betreibers jährlich von bis zu 100.000 LKWs genutzt.
Auf der Suche nach einem Blutwirt verhält sich die Asiatische Tigermücke sehr aggressiv. Sie folgt dem Menschen, bzw. fliegt dahin, wo es besonders intensiv „nach Mensch“ riecht, um ihn zu stechen. Auf diese Weise können Tigermücken auch in LKWs gelangen, in denen sie dann als „blinde Passagiere“ verschleppt werden. Da in Italien die höchste Tigermückendichte Europas existiert, ist es wahrscheinlich, dass sie auch über diese Verbindung zu uns nach Süddeutschland gebracht werden. Am Güterbahnhof in Freiburg werden die Lkws von den Gleisen auf die Straße überführt. Beim Öffnen der Türen entkommen die Tigermücken ins Freie und finden in der unmittelbar benachbarten Kleingärtenkolonie beste Brut- und Lebensbedingungen.
Um eine dauerhafte Etablierung der Art im dicht besiedelten und wärmebegünstigten Stadtgebiet Freiburg zu verhindern, ist ein rasches und zielgerichtetes Eingreifen dringend notwendig. Daher hat die Gesellschaft zur Förderung der Stechmückenbekämpfung (GFS) unmittelbar nach der Entdeckung der Population die übergeordneten Stellen informiert und mit den ersten Bekämpfungsmaßnahmen begonnen.
Bekämpfungsmaßnahmen
Über Aushänge und in persönlichen Gesprächen wurden die Parzellenpächter und der Vorstand des Kleingärtenvereins Freiburg Nord über die aktuellen Untersuchungsergebnisse und über wichtige Sofortmaßnahmen informiert. Da es sich bei dieser Art um einen typischen Containerbrüter handelt und die Entwicklung vieler Larven bereits weit vorangeschritten war, erfolgte ein Aufruf zur sofortigen, vollständigen Entleerung und Reinigung von potenziellen Brutgewässern, insbesondere der Regentonnen. Durch Ausreiben der Regentonnen mit einem Tuch bzw. durch Ausspritzen mit einem Gartenschlauch werden zusätzlich die Eier der Tigermücke entfernt, die von den Weibchen bevorzugt an den Wänden der Gefäße abgelegt werden. Darüber hinaus sind unnötige Wasserstellen in den Kleingärten zu vermeiden, da alle stehenden Gewässer potenzielle Brutstätten darstellen.
Als weitere Sofortmaßnahme wurden allen Pächtern B.t.i.-Tabletten zur Verfügung gestellt, mit denen nicht zu beseitigende Brutstätten behandelt werden können. Bei dem biologischen Wirkstoff B.t.i. handelt es sich um einen Proteinkomplex, der gezielt Stechmücken abtötet und bei sachgemäßer Anwendung keine anderen Organismen schädigt.
Durch das Aufstellen von mehr als 40 speziellen Eiablagefallen in der Kleingärtenanlage werden schwangere Tigermückenweibchen abgefangen und damit Eiablagen und eine weitere Vermehrung verhindert. Des Weiteren ermöglicht die Auswertung dieser Fallen über einen längeren Zeitraum den Erfolg der Bekämpfungsmaßnahmen zu beurteilen und die weitere Entwicklung der Population zu beobachten. Weitere Maßnahmen, insbesondere die Überprüfung des Umlandes auf Vorkommen der Asiatischen Tigermücke und deren Bekämpfung, sowie die Information der Bevölkerung mit Hilfe eines Flyer sind in Planung.
Weitere Informationen und Tipps zur Identifizierung der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) finden Sie unter: www.kabsev.de