Bezirksverband der Gartenfreunde Karlsruhe e.V.

Pflanzenschutzmittel im Kleingarten

In Haus- und Kleingarten dürfen ohne Sachkundenachweis nur Pflanzenschutzmittel angewendet werden, die den Aufdruck tragen „Anwendung durch nichtberufliche Anwender zulässig“. Über die Eignung für nichtberufliche Anwender entscheidet das BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) bei der Zulassung. Kriterien sind unter anderem die Eigenschaften der Mittel, Art und Größe der Verpackung und die Dosiereinrichtung. Auch wenn diese Mittel einfach in der Handhabung sind und vergleichsweise günstige Eigenschaften haben, sollten sie dennoch mit dem nötigen Verantwortungsbewusstsein angewendet werden. Die gesetzlichen Vorschriften zur Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gelten auch für nichtberufliche Anwender. So darf die Anwendung nur in den zugelassenen Anwendungsgebieten erfolgen und es sind die Anwendungsbestimmungen einzuhalten. Der Anwender sollte sorgfältig die Gebrauchsanleitung lesen und beachten; darin steht alles, was zur sicheren und vorschriftsmäßigen Anwendung nötig ist. Eine wichtige Vorschrift im Pflanzenschutzgesetz besagt, dass Pflanzenschutzmittel nur auf landwirtschaftlich, forstwirtschaftlich genutzten Flächen angewendet werden dürfen. Auf anderen Flächen, z. B. Haus- und Kleingärten, Wegen, Wegrändern, sind Pflanzenschutzmittel tabu. Anwendungen dort stellen Ordnungswidrigkeiten dar, die mit Bußgeld geahndet werden können. Das Verbot gilt auch dann, wenn in der Gebrauchsanleitung eines Pflanzenschutzmittels Anwendungsgebiete wie „Wege und Plätze“, „Wege und Plätze mit Holzgewächsen“ oder „Wege und Plätze ohne Holzgewächse“ aufgeführt sind. Die Anwendung ist nur erlaubt, wenn zusätzlich eine Ausnahmegenehmigung bei dem Pflanzenschutzdienst des Bundeslandes beantragt und erteilt wird, auf dem sich die beantragte Fläche befindet.


Unkraut vernichten: Finger weg von Salz und Essig
Die Unkrautvernichtung mit Salz und Essig ist in Gärtnerkreisen äußerst umstritten – und beschäftigte in Oldenburg sogar die Gerichte: Ein Hobbygärtner aus Brake hatte mit einer Mischung aus Wasser, Essigessenz und Kochsalz auf seiner Garagenzufahrt und auf dem Gehweg zum Hauseingang den Algenbelag bekämpft. Aufgrund einer Anzeige landete der Fall vor Gericht und das Amtsgericht Oldenburg verurteilte den Hobbygärtner zu einer Geldbuße von 1.500,– Euro. Es stufte das selbst gemischte Präparat als reguläres Unkrautvernichtungsmittel (Herbizid) ein, und deren Anwendung ist untersagt. Die Pflanzenschutzämter der Landwirtschaftskammern weisen aufgrund dieses Urteils darauf hin, dass der Einsatz derartiger Substanzen als Herbizid laut § 3 des Pflanzenschutzgesetzes als rechtswidrig einzustufen ist, da er gegen die „gute fachliche Praxis im Pflanzenschutz“ verstößt. Das Pflanzenschutzgesetz verbietet generell den Einsatz aller Präparate, die keine Zulassung als Pflanzenschutzmittel haben, aber andere Organismen schädigen können. Auch wenn das in den Augen vieler Hobbygärtner nicht nachvollziehbar ist, hat die Vorschrift gute Gründe, denn gerade die sogenannten Hausmittel sind für die Umwelt oft wesentlich schädlicher, als die meisten Anwender ahnen. Auch Essig und insbesondere Salz sind keine empfehlenswerten Hausmittel zur Unkrautvernichtung – weder auf versiegelten Flächen noch auf bewachsenen Böden. Im Klartext heißt das für alle, die Flächen zu pflegen haben, dass das Ausbringen von Streu- und Tafelsalz oder sogenannter Hausmittel wie Essig-Pelargon- und anderer Säuren zur Bekämpfung unerwünschter Pflanzen und Moose verboten ist! Dieses Verbot gilt absolut und ist völlig unabhängig vom Wirkstoff! Es betrifft auch herbizide Wirkstoffe wie Glyphosat (Roundup mit verschiedenen Zusatznamen, Keeper Unkrautfrei, Vorox Unkrautfrei und viele andere), Essigsäure und Pelargonsäure (Finalsan Unkrautfrei) sowie alle anderen im Handel erhältlichen Herbizide oder Hausmittel. Als Alternativen ohne Chemie bieten sich thermische Verfahren (Abflammen, Infrarottechnik), Fugenkratzer oder Drahtbesen an. Diese Verfahren sind geeignete, umweltfreundliche und vor allem erlaubte Hilfsmittel.


Mögliche Strafen
Wie erwähnt, können chemische Unkrautvernichter oder o. g. Hausmittel gelegentlich als einzige Möglichkeit erscheinen, den teils zerstörerischen Wuchs einiger Pflanzen einzudämmen. Dennoch sind die Mittel auch mit erheblichen Gefahren für die Umwelt sowie die Gesundheit von Menschen und Tieren verbunden. Aus diesem Grund wird der Einsatz mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 50.000 Euro geahndet.